Veröffentlicht am 27. Mai 2020 von Robert Klank

Wie ein VR Prototyping Tool entsteht

Im letzten Artikel haben wir euch über die Entwicklungen in der VR Technik und den Herausforderungen bei 3D Interaktionen berichtet. Geplant ist, ein eigenes Framework für 3D Interfaces bereitzustellen. Doch wie entsteht so etwas? Ein Beitrag über aktuelles Prototyping für die virtuellen Welt und den eigenen Weg dahin.

Trends, Produkte und Brain-Computer Interfaces

Es ist weiterhin viel los auf dem VR Markt. Zuletzt machte die Unterhaltungsbranche mit dem Spiel Half-Life Alyx auf sich aufmerksam. Die explodierenden Verkaufszahlen zeigen, dass reine VR Spiele durchaus Potential haben.

Beim Tech-Giganten Apple tauchten schon Ende 2019 Pläne über eine geplante AR Brille auf, nun werden auch Vermutungen für neue Produktvorstellungen im Juni angestellt. Und auch Google schläft nicht im virtuellen Bereich und erweitert das, was sie am besten können: Die Suchergebnisse. In diesen zeigen sie jetzt vermehrt Inhalte aus der Augmented Reality.

Lehrdarstellungen in AR: Die derzeitigen Modelle sollen vor allem helfen, den menschlichen Körper, die Mikrobiologie und Planeten besser zu verstehen. (Bildquelle)

Wie Mark Zuckerberg in einer Oculus Keynote berichtet soll es in Zukunft auch keine Controller mehr geben, die den Nutzer bei der Bedienung behindern. Mithilfe eines Armbands von CTRL Labs soll die virtuelle Welt direkt mit den Gedanken gesteuert werden können. Bis es soweit ist und Controller obsolet werden, wird aber noch viel Entwicklungszeit vergehen.

Am Anfang steht die Skizze

Unser Ziel ist es, im Rahmen des Projektes ein modulares UI Framework für medizinische Kontexte zu erstellen. Da COVID-19 die Einbindung von medizinschen Nutzern ausgebremst hat, werden vorerst basierend auf Annahmen und Erfahrungen erste Vorschläge und Prototypen erarbeitet. Bevor wir mit der Entwicklung loslegen können, stehen also zuerst Konzepte und Prototypen an. Als Bestandteil des User Centered Design Prozesses, wird dies im klassischen 2D Bereich bereits durch zahlreiche Programme gestützt. Doch wie werden eigentlich VR Prototypen angelegt?

Dafür gibt es verschiedene Detailstufen. Das Einfachste ist das Arbeiten mit Stift und Papier. Dies kann direkt als Papiermodell oder auch digital „VR Paper Prototyping“ umgesetzt werden:

Analoges Papiermodell als Representation der VR Umgebung (Quelle)
Demo eines digitalisierten Papierprototypen von Saara Kamppari-Miller.

Weiterhin gibt es Versuche, Grafikprogramme wie Figma oder Sketch in eine 3D Umgebung zu übertragen. Die Ergebnisse sind aber sehr rudimentär und eignen sich nur bedingt – auch weil das Umwandeln in andere Formate viel Zeit in Anspruch nimmt.

Eigener Versuch mit einem VR Plugin für Sketch.

Prototyping im virtuellen Raum

Für das Erstellen und Testen komplexerer Anwendungen schien es uns daher unvermeidlich, eine schnelle Übertragung in die VR Umgebung sicherzustellen — oder aber Prototypen direkt in 3D bzw. VR zu bauen. Ein klassisches Beispiel wie das komplexe Bauen mit einfachen Mitteln vonstatten gehen kann, zeigt die offene Onlinewelt von Minecraft, welche es jetzt auch für VR-Brillen gibt.

Ein weiteres Tool, welches auch bereits für einen Rapid VR Prototyping Workflow eingesetzt wurde, ist sketchbox3D. Dies scheint insbesondere beim Erstellen von 3D Welten Stärken zu haben, für unser Vorhaben erschien es bisher leider nicht praktikabel.

Handinterface von sketchbox3D (links) und erste UI Tests mit dem Tool (rechts)

Der Weg zur Eigenentwicklung

Diese Toolfrage bearbeiten wir jetzt auch verstärkt mit unserem Projektpartner Luxonic. Diese setzen in ihren Produkten bisher noch auf zweidimensionale Prototypen in Adobe XD sowie in der Umsetzung auf das Unity Plugin Probuilder. Aus Mangel an technischen Möglichkeiten wurde jedoch auch dort noch kein schneller und effizienter Workflow gefunden.

Als nächsten Schritt haben wir daher eine Anforderungsliste für ein Konzeptionstool erstellt. Was sind also wichtige Schritte in einer typischen (2D) Software für Prototyping sind?

Auszug aus der Anforderungsliste

Ziel wird es nun sein, mittels Unity eine eigene Prototyping Software für UI Frameworks im dreidimensionalen Raum zu entwickeln. Auf Basis der Liste kann das Tool dabei stetig wachsen. In naher Zukunft sollen dann, ohne Kenntnisse von Coding und direkt in VR, auch komplexe UI Konzepte umgesetzt werden können.


Das Projekt wird gefördert durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.