Veröffentlicht am 30. Juni 2016 von Cindy Waldinger

UXcamp Europe 2016 – von UX, Bananen und einer sehr langen (User) Journey

Letztes Wochenende war es endlich wieder so weit: frei nach dem Motto „No Spectators, only participants“ wurde zum mittlerweile 7. Mal zum UXcamp Europe geladen. Für alle Glücklichen, die eines der heiß begehrten Tickets ergattern konnten hieß es daher – ab nach Berlin zum beliebtesten Barcamp des Jahres!

Das Wetter zeigte sich von seiner allerbesten Seite und so konnte einem spannendem Wochenende voller UX und Usability fast nichts mehr im Wege stehen. Fast – denn aller guten Planung zum Trotz stellte sich uns gleich zu Beginn eine Vollsperrung auf der A2 in die Quere. Von Magdeburg nach Berlin in neun Stunden. Das tat der Laune aber keinen Abbruch und wann kann man schon mal romantisch im Sonnenuntergang auf der A2 spazieren gehen!?

 

Session-Planung und -pitching auf dem UXcamp Europe 2016 am 25. und 26. Juni 2016 in Berlin. Das UXcamp Europe ist mit ca. 500 Teilnehmern eine der weltweit größten Veranstaltungen für User-Experience (UX) Professionals. Foto: Bastian Ehl

Endlich in Berlin angekommen, startete für uns der Samstag mit der allgemeinen Begrüßung und der Vorstellung der Sessions. Schon hier fiel ein Teilnehmer ganz besonders auf: die Banane. Oder besser gesagt, die Zombie-Banane. Trotz wirklich tropischer Temperaturen steckte einer der Teilnehmer im Bananenkostüm. Nicht grundlos, denn unter dem Kostüm steckte Petr Kosnar. In seiner Session „Making things memorable (e.g. the banana)“ zeigte er wie man auf verschiedenen Wegen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann, um im Gedächtnis zu bleiben. Zu diesem Zweck hat er verschiedene Regeln und Erinnerungsstrategien vorgestellt, allen voran „Wenn man möchte, dass sich die Leute an etwas erinnern – danach fragen sich nicht daran zu erinnern“. Wie gut dies funktioniert, hat er eindeutig unter Beweis gestellt – die Banane werden wir wohl so schnell nicht vergessen.

Ebenfalls sehr gut gefallen hat mir die Session „Hacking of the Bitcoin ATM“ in welcher Ivana Jíleková spannende Guerillia Research Methoden am Beispiel eines Bitcoin-Automatens vorstellte. Besagter Automat begegnete ihr zufällig auf einem Hackathon und sie konnte den Usability-Fail nicht auf sich beruhen lassen. Mit Nutzerbeobachtung und selbst gedruckten Stickern mit zusätzlichen Handlungsaufforderungen startete sie in die Offensive. Und siehe da, ihre Bemühungen blieben nicht unbemerkt: der Besitzer des Automaten wurde auf ihre Arbeit aufmerksam und so kamen beide ins Gespräch. Mittlerweile wird der Automat tatsächlich überarbeitet – ein gutes Beispiel dafür, dass man mit Guerillia-Research tatsächlich auch ein klein wenig die Welt verändern kann. Toll!

Ein weitere interessante Session gab es von Natalia Rey. Sie zeigte, wie sie Flowcharts und Personas kombiniert, um eine möglichst gute User Experience zu erzeugen. Sie nimmt sich jede Persona, versetzt sich selbst in diese sowie ihren Nutzungskontext und geht an Hand des Flowcharts jede mögliche Interaktion mit dem Produkt durch. Dafür kreiert sie eigens kleine Geschichten. Mit diesem eher emotionalen Ansatz identifiziert sie auch Motivationen und Bedürfnisse ihrer Personas, die nicht direkt mit der Verwendung des betrachteten Produktes zu tun haben, aber trotzdem relevant dafür sind.

Session „Design of the future“ von Holger Eggert auf dem UXcamp Europe 2016 am 25. und 26. Juni 2016 in Berlin. Das UXcamp Europe ist mit ca. 500 Teilnehmern eine der weltweit größten Veranstaltungen für User-Experience (UX) Professionals. Foto: Bastian Ehl

Weltverändern, damit ging es direkt auch weiter bei Holger Eggert und „Design of the future“. Er gab vielen Denkanstößen mit auf den Weg, in welche Richtung sich Interfaces zukünftig entwickeln werden und welchen Einfluss dies auf die UX-Welt haben wird.
Auch gerade im Hinblick auf die in großen Schritten fortschreitende Automatisierung von Arbeit. Unterschieden werden zwei Fälle: man fällt der Automatisierung zum Opfer oder erstellt Systeme, die Tätigkeiten automatisch ausführen. Entweder sind wir es die die Zukunft formen, oder die Zukunft wird uns formen. Am Ende der Session kam dann in gewohnter Holger-Eggert-Manier die Gitarre zu Einsatz und er gab, altbekannte Hits wie „The user and the best“ zum Besten ;)

Nachdem wir schon, Stau sei dank, die Warm-up Party verpasst haben, ließen wir zumindest den Samstag in gewohnter Tradition auf der Blow-out Party mit viel Pizza und Gegrilltem ausklingen.

Session-Planung auf dem UXcamp Europe 2016 am 25. und 26. Juni 2016 in Berlin. Das UXcamp Europe ist mit ca. 500 Teilnehmern eine der weltweit größten Veranstaltungen für User-Experience (UX) Professionals. Foto: Bastian Ehl

Von der doch relativ kurzen Nacht konnte man am Sonntag nicht allzu viel merken, das Session-Board war gut gefüllt. Wir waren an diesem Tag mit zwei Sessions vertreten.

Session „UX principles in rhetoric“ von Elisabeth Schwerdtner auf dem UXcamp Europe 2016 am 25. und 26. Juni 2016 in Berlin. Das UXcamp Europe ist mit ca. 500 Teilnehmern eine der weltweit größten Veranstaltungen für User-Experience (UX) Professionals. Foto: Bastian Ehl

Den Anfang machte unsere Geschäftsführerin Elisabeth Schwerdtner mit einer Session zum Thema „UX principles in rhetoric“. Sie gab Tipps und Tricks für erfolgreiche Präsentationen. Einige UX-Prinzipien lassen sich nämlich auch auf die eigene Rhetorik anwenden. Beispielsweise lassen sich User Needs mit den Erwartungen des Publikums gleichsetzen. Konzipiert man ein Interface, so ist es wichtig, den Nutzer genau zu kennen. Gleiches gilt auch für Präsentationen und Vorträge. Möchte man sein Publikum begeistern, sollte man dieses und seine Erwartungen gut kennen um punkten zu können. Übung ist natürlich essentiell und auch simple Techniken wie Tabu-Spielen kann die eigene Schlagfertigkeit verbessern.

Spielerisch ging es auch in „How to apply playfullness to a non-playfull Kontext“ weiter. Die Session gab schöne Beispiele über das Einfügen spielerischer Elemente. Im Anschluss gab es eine spannende Diskussion über die Überschneidung von Gamification und Plex (Playful Experiences). Die Thematik ist weit komplexer als gedacht und der positive Effekt spielerischer Elemente kann schnell ins Gegenteil umschlagen. Aber besonders für einmalige Aktionen, wie zum Beispiel das Anmelden eines Newsletters ist Plex sinnvoll und hilfreich. In jedem Fall sollten Plex funktional sein und keinesfalls die Usability des Produktes negativ beeinflussen.

Workshop „Not another sketching Workshop“ von Cindy Waldinger auf dem UXcamp Europe 2016 am 25. und 26. Juni 2016 in Berlin. Das UXcamp Europe ist mit ca. 500 Teilnehmern eine der weltweit größten Veranstaltungen für User-Experience (UX) Professionals. Foto: Bastian Ehl

Workshop „Not another sketching Workshop“ von Cindy Waldinger auf dem UXcamp Europe 2016 am 25. und 26. Juni 2016 in Berlin. Das UXcamp Europe ist mit ca. 500 Teilnehmern eine der weltweit größten Veranstaltungen für User-Experience (UX) Professionals. Foto: Bastian Ehl

Weiter ging es mit meiner Session „Not another sketching-workshop“ in welcher ich den Teilnehmern meine Begeisterung für Sketching und Sketch-Notes weitergeben wollte. Neben grundlegenden Techniken und Materialien stand hier natürlich das ausprobieren im Vordergrund. Da es bei einem Barcamp genauso wie beim Sketchen um Kommunikation und Austausch geht, hatte ich die Idee beides in einer Übung zu verbinden. Daher forderte ich die Teilnehmer auf, sich mit ihrem jeweiligen Sitznachbarn auszutauschen und eine Sketch-Note über die jeweilige Person zu erstellen. Das hat für viel Spaß und schöne Ergebnisse gesorgt.

 

Eric Reiss mit der Abschluss Keynote auf dem UXcamp Europe 2016 am 25. und 26. Juni 2016 in Berlin. Das UXcamp Europe ist mit ca. 500 Teilnehmern eine der weltweit größten Veranstaltungen für User-Experience (UX) Professionals. Foto: Bastian Ehl

Den Abschluss lieferte, Eric Reiss. Die Präsentation lautete „Eine kleine Nach-Musik: Five UX myths“. Nach einer motivierenden Einleitung räumte er mit fünf UX-Mythen sehr unterhaltsam auf:

  • “UX is something on a screen” – NO! It’s about optimizing a series of interactions – and not just on a screen.
  • “UX is only about touchpoints” – NO! It’s also how users get from one touchpoint to the next.
  • “UX is about making end users happy” – NO! It’s also about solving the business goals of the business goals of the stakeholders.
  • “UX is just another name for CX” – NO! Customers and Users are not always the same.
  • “UX is a new discipline” – NO! And the tools and the techniques have been around since the dawn of time.

(Eric Reiss, uxcamp berlin 2016)

Jedes seiner Argumente dazu hat er mit starken Vergleichen und bildhaften Beispielen untermauert und so den Saal, wie schon letztes Jahr, mit sich gerissen.

Viel zu schnell war das UXcamp Europe leider schon wieder vorbei. Wir hatten, wie jedes Jahr, viel Spaß. Die Themen waren wieder einmal sehr breit gefächert und somit nicht nur für UX-Designer interessant, sondern für alle, die im UX-Umfeld arbeiten, wie beispielsweise Projekt- oder Produktmanager. Ebenso spannend war es, dass mit Adobe XD und Antetype von Ergosign nicht nur ein Einblick in neue Produkte gegeben, sondern auch aktiv Nutzer-Feedback gesammelt wurde.

Panel Diskussion auf dem UXcamp Europe 2016 am 25. und 26. Juni 2016 in Berlin. Das UXcamp Europe ist mit ca. 500 Teilnehmern eine der weltweit größten Veranstaltungen für User-Experience (UX) Professionals. Foto: Bastian Ehl

Nach diesen zwei aufregenden Tagen ging es für uns wieder zurück nach Hause – dieses mal dann ganz ohne Verkehrschaos. Wir bedanken und bei den Organisatoren und Teilnehmern des UXcamp Europe 2016 und werden auch nächstes Jahr wieder mit dabei sein – vorrausgesetzt, das Ticket-Karma wird uns auch in 2017 hold sein.