Veröffentlicht am 25. Januar 2016 von Nance Kaemmerer

Oma weiß Bescheid … auch über Usability?

Wir beschäftigen uns viel mit Usability Tests: Wir haben einen eigenen Leitfaden geschrieben, wir empfehlen dringend Usability Tests für unsere Kunden, schulen selber und machen intern für unsere Prozesse Usability Tests. Regelmäßig ist es daher auch für uns Zeit anzuhalten und uns selber zu überprüfen. Wie wir das machen? Manchmal mit dem Oma-Test. :-)

Sicher kennt Ihr einige Webseiten, die atemberaubend aussehen: Bildschirmfüllende Keyvisuals, sehr reduziertes (ja fast unscheinbares) Flat Design und Buttons, die man erst entdecken muss. Aber was, wenn die Usability darunter leidet? Usability ist ein notwendiger Bestandteil der gesamten User Experience. Ohne eine benutzerzentrierte Gestaltung nützt der neueste Design-Trend oder die tollste Animation herzlich wenig. Man findet die gewünschten Informationen nicht, die Navigation ist verwirrend, … Das will keiner. Denn die schönste Webseite ist nutzlos, wenn sie die Zielgruppe nicht verwenden kann.

 On the Web, usability is a necessary condition for survival. If a website is difficult to use, people leave. If the homepage fails to clearly state what a company offers and what users can do on the site, people leave. If users get lost on a website, they leave. If a website’s information is hard to read or doesn’t answer users’ key questions, they leave. Note a pattern here? There’s no such thing as a user reading a website manual or otherwise spending much time trying to figure out an interface. There are plenty of other websites available; leaving is the first line of defense when users encounter a difficulty.

– Nielsen Norman Group

Und genau dieses leave wollen wir unseren Kunden ersparen. Daher nutzen wir gern als ersten internen Test eine Methode, die auch als Oma-Test bekannt ist. Dabei fragt man sich: „Würde sich meine Omi auf der Webseite wohlfühlen? Würde sich Omi zurechtfinden?“ Es ist, wie das verwenden alter Grundsätze oder bewährter Hausmittelchen. Dabei gehen wir natürlich davon aus, dass Oma es gewöhnt ist durch eine Webseite zu navigieren und keine technischen Hemmschwellen bestehen.

Wir stellen uns folgende Fragen:

  1. Kann man die Webseite nutzen, wenn man sie öffnet? Heißt konkret: Wie lange dauert es, bis man den Aufbau der Seite verstanden hat und weiß, wo man alles findet?
  2. Kann man einfache Aufgaben auf der Webseite direkt durchführen oder muss erst das Konzept der Seite verstanden werden? Kann ich zum Beispiel die Kontakt-Seite öffnen und eine Mail schreiben oder etwas in den Warenkorb legen?
  3. Kann ich die Seite immer noch benutzen, auch wenn ich einige Zeit nicht da war, erinnere ich mich an das Konzept oder muss ich erst erlernen? Kann ich überhaupt wieder an dem Punkt einsteigen, an dem ich die Webseite vor ein paar Stunden verlassen hatte?
  4. Stellt man sich vor, der Besucher hat auf der Webseite einen Fehler gemacht, kann er diesen rückgängig machen? Findet er sich trotzdem zurecht? Hat er aus dem Fehler etwas gelernt?
  5. Hat der Besucher Spaß an der Seite?

Das gleiche Prinzip greift auch das Usability-Tool The User is my Mom auf.

Dear internet: My mom is tired of your shit. She can’t understand your website and it isn’t her fault. It’s time we talked.

Hier werden Webseiten bewusst von Müttern geprüft. Auch das mag im ersten Blick befremdlich klingen, das Prinzip dahinter ist aber das Gleiche wie beim Oma-Test. Nutzer, die tagtäglich im Netz unterwegs sind haben keinen Blick mehr für Hindernisse und Ablenkungen. Der Preis wird auf der Webseite mit 100 Dollar je Seite angegeben.

The user is my mom.

Screenshot: „The user is my mom.“

 

Auch die Webseite Drunk User Testing testet Webseiten auf eine neue Art. Man sieht wie betrunkene Nutzer die Webseite sehen.

Drunk user testing

Screenshot: „Drunk user testing“

 

Unser Pro-Tipp

Für jeden Usability Test benötigen Sie Probanden / Nutzer. Wer sollte das sein? Kurz gesagt: Genau die Nutzer, die auch später das System verwenden werden. Bevor aber mangels „echter User“ gar kein Test stattfindet, können notfalls auch nicht repräsentative Nutzer eingeladen werden. Auch sie stoßen auf die gröbsten Usability Probleme. Mehr dazu finden Sie auch in unserem Leitfaden.