Veröffentlicht am 11. November 2015 von Nance Kaemmerer

Usability selbstgemacht: Leitfaden zum intuitiven Gestalten

Intuitiv bedienbar?

Heute erwarten Nutzer, dass jedes Produkt einfach zu bedienen ist. Keiner möchte eine Betriebsanleitung oder ein Handbuch lesen. Dabei ist es egal, ob wir über das Produkt Kaffeevollautomat in der Küche zu Hause oder über eine komplexe Maschine in der Produktion eines Wurstherstellers reden. Auf der anderen Seite werden die Funktionen der Produkte immer komplexer und vernetzter. Es besteht also der Anspruch, Produkte intuitiv bedienbar zu machen. Die Kaffeemaschine verhält sich wie erwartet und passt sich den individuellen Bedürfnissen an.

Was ist Usability?

Man spricht in diesem Zusammenhang von der Benutzerfreundlichkeit bzw. Gebrauchstauglichkeit. Um ein intuitives Produkt zu entwickeln, gibt es drei Werte, die es maximal zu erreichen gilt:

  • Effektivität: Kann das gewünschte Ziel mit dem Produkt erreicht werden?
  • Effizienz: Wie hoch/niedrig ist der Aufwand des Nutzers, um sein gewünschtes Ziel zu erreichen?
  • Zufriedenheit: Wie zufrieden ist der Nutzer mit dem Produkt?

Mensch und Maschine arbeiten heute Hand in Hand. Die Interaktion zwischen Benutzer und Produkt muss eindeutig und effizient sein. Die Usability digitaler Produkte und Services ist heute ein entscheidendes Qualitätsmerkmal. Dieses Merkmal muss getestet werden, damit Problemstellen gefunden werden. Dazu dienen Usability-Tests. Die Ergebnisse der Tests bilden Grundlage für Optimierungen der Produkte.

Selber testen und wann?

Natürlich gibt es Agenturen, die sich auf Usability spezialisiert haben. Einfache Tests kann man aber auch schnell und unkompliziert selbst durchführen. Usability-Tests kann man in jedem Bereich einsetzen – angefangen bei der Kaffeemaschine, über eine Webseite und bis zu komplexer Software. Aber man fängt so früh wie möglich an zu testen, vor der ersten Konzeption, in jeder Projektphase. Natürlich gibt es hunderte von Methoden für jede Entwicklungsphase. Wenn wir von einer Neukonzeption ausgehen, bieten sich drei Methoden für den Einstieg an:

Der A/B-Test

Soll ein eCommerce-, Web- oder Mobile-Produkt optimiert werden, dann wählt man den A/B-Test. Man kann überprüfen, mit welcher Designvariante der Nutzer ein definiertes Ziel besser erreicht.

Leitfaden A/B-Test

Leitfaden A/B-Test

Durchführung

  1. Anmeldung bei einem der A/B-Testing-Tools. Eine aktuelle Liste der Tools findet sich hier: intuitive-produkte.de/abtest
  2. Hypothese auswählen, z.B. „Wenn wir den aktuell roten Bestell-Button auf grün ändern, wird dieser häufiger geklickt werden.“
  3. Erstellen der Design-Varianten
  4. Zielsetzung und Definition, was gemessen werden soll
  5. Auswahl der Testgruppe
  6. Start des Tests und Auswertung mit Entscheidung für die Variante, die das Ziel erreicht.

 

Der Klicktest

Möchte man herausfinden, ob die Nutzer die gewünschten Informationen finden bzw. die richtigen Navigationspunkte wählt, nutzt man einen Klicktest

Leitfaden Klicktest

Was kann man messen?

  • Wohin klicken die Nutzer am häufigsten?
  • Wo klicken die Nutzer, um eine bestimmte Aufgabe zu lösen?
  • Wie lange benötigt ein Nutzer, bis er das entsprechende Element gefunden hat?

Durchführung

Dazu gibt es im Internet zahlreiche Webservices, um solche Tests durchzuführen. Die Tools gibt es in 2 Arten:

  1. Beurteilung einzelner Bilder / Screens mit vorheriger Aufgabenstellung, Messung der Zeit von der Anzeige des Screens bis zum Klicken z.B.Usabilla www.usabilla.com
  1. Messung einer bereits funktionierenden Webseite oder Software-Klickprototypen z.B. ClickTale

 

Small Usability-Test

Der Klassiker – hier kann das Produkt während des gesamten Projektablaufs auf typische Nutzungsprobleme überprüft werden. Diese sollten im Anschluss natürlich auch behoben werden.

Leitfaden Small Usability Test

Durchführung

  • Der Testleiter sitzt mit einem Nutzer gemeinsam in einem Raum.
  • Der Nutzer wird in ein typisches Anwendungsszenario hineinversetzt.
  • Der Proband löst dem Szenario entsprechende Aufgaben mit Hilfe des Produkts.
  • Kollegen beobachten mittels Screensharing-Software.
  • Auftretende Nutzungsprobleme werden notiert.
  • Danach Vergleich und Gewichtung der notierten Probleme und gemeinsames Erarbeiten von Problemlösungen

Eine Checkliste zur Vorbereitung findet man hier: www.intuitive-produkte.de/usability-test

 

Mit diesem Grundwissen ist man für die ersten Tests bereit. Damit ist der erste Schritt zu einem intuitiveren Produkt getan. Getreu dem Sprichwort: „Beginne nicht mit einem guten Vorsatz, sondern mit einer kleinen Tat!“ – kann es jetzt losgehen.

 

Noch ein paar letzte Tipps:

  1. Reservieren Sie sich einen festen Tag im Monat nur für die Durchführung von Tests. So gehen die Tests nicht im Arbeitsalltag verloren und haben einen festen Platz im Kalender.
  2. Bereits 5 Nutzer finden in Usability Tests einen Großteil der Probleme. Das haben Studien ergeben. Wenn man also regelmäßige Tests mit fünf Nutzern durchführt, nachdem man frühere Probleme behoben ist, ist man auf dem richtigen Weg.
  3. LAUT denken: Nutzer treffen bewusst oder unbewusst Entscheidung bei der Bedienung. Um das Verhalten zu verstehen, wird der Nutzer aufgefordert LAUT zu denken. Da das für die meisten ungewohnt, den Nutzer einfach immer wieder auffordern. Ansonsten lieber nicht zu oft eingreifen und manipulieren.
  4. Die richtige Vorbereitung: Ein guter Zeitplan ist alles. Einen mögliche Zeitplan findet man hier intuitive-produkte.de/usability-test Allgemein gilt aber auch: Je früher desto besser.
  5. Probieren Sie es einfach aus! Einen ersten Usability-Test hat man innerhalb kürzester Zeit geplant und durchgeführt. Tschakka!

 

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