Veröffentlicht am 3. März 2017 von Dennis Ostendorf

Inhalt ist das neue Design: Digitale Designtrends 2017

Dass digitale Designtrends bisweilen eher kurzlebig sind, ist nicht erst seit dem Jahr 2017 bekannt. Die Anfänge des Internets mit seinen skeuomorphischen Formen und das höchst reduzierte Flat Design sind nur zwei vergangene Extreme. Jedoch tauchen immer wieder Entwicklungen und Konzepte auf, die sich als substantiell für die Konzeption und Gestaltung von Services herausstellen. Im Jahr 2017 werden wir folgende – auf den ersten Blick – eher unspektakulären Entwicklungen vermehrt vorfinden. Sie werden das digitale Design subtil prägen und evolutionieren. Einige experimentelle Ideen und Ansätze gibt’s aber natürlich auch. Ein Überblick über die digitalen Designtrends 2017:

Inhalt, Inhalt, Inhalt

Hieß es vor einigen Jahren noch “Mobile first”, hört man heute vermehrt den Grundsatz “Content first”. Warum auch nicht? Digitale Services werden dafür geschaffen, dem Nutzer einen Inhalt zu bieten, im besten Fall einen Mehrwert. Dass daher Design diesen Inhalt präsentieren und fokussieren sollte, ist selbstverständlich. Design-Elemente, wie Sidebars, Off-Canvas Menus oder Card Design werden nicht mehr um ihrer selbst eingesetzt. Vielmehr werden sie schon bei der Konzeption zu einem Tool im Werkzeugkasten umfunktioniert. Diese Entwicklung bietet Schwierigkeiten wie Chancen für Designer. Zwangsläufig werden sie immer früher in die Konzeptionsphase einsteigen und ihre Expertise zum Content-Strategen erweitern müssen.

Flat? Material? Textile Design!

Das Flat Design überholt ist, dürfte nichts neues sein. Mancher behauptet gar, Material Design wäre in seiner jetzigen Form auf dem Rückzug. Der Ansatz ist ein spannender. Das Konzept des Textile Design beschreibt die Verwebung von verschiedenen Stilen hin zu einem eigenständigen und abwechslungsreichen Design. Flat- und Material Design und andere Stile werden degradiert zu Komponenten, denen es nicht streng zu folgen gilt. Sicher ein Ansatz, der strengen Rastern und Beliebigkeit den Kampf ansagt.

"Textile Design" am Beispiel der Jurassic World Website

Textile Design am Beispiel der Jurassic World Website

Responsive 2.0

Die Layout-Anpassung von Inhalt ans jeweilige Gerät ist längst eine Selbstverständlichkeit. Denkt man diesen Ansatz weiter, so fallen einem aber noch mehr Anwendungsbereiche für ein responsives Verhalten ein. Insbesondere sind hier die Nutzer selbst zu nennen. Warum sollte beispielsweise eine 60-jährige Internet-Novizin die gleichen Anforderungen an eine Website haben wie ein Millennial? Oder ein Kind? Geeignet für eine solche Fragmentierung sind vor allem Journey Maps. Sie untersuchen und beschreiben den Weg, den einzelne Nutzergruppen in einem Service gehen (würden). Besonderer Fokus sollte dabei auf den “Failures” liegen. An welchen Stellen scheitern Nutzer? Woran scheitern sie? Diese Idee der Nutzerzentrierung ist nicht neu, wird jedoch immer essentieller.

Anwendungen responsiv zum Alter der Nutzer

Anwendungen responsiv zum Alter der Nutzer

Neudenken des Formulars

Speziell im Bereich des E-Commerce sind Formulare ein wichtiger Bestandteil. Sie sind im Zweifel der entscheidende Schritt für oder gegen eine Kaufentscheidung. Das Konzept von lernfähigen Bots kann hier ein Ansatz sein, um das Nutzererlebnis mit einer Art Frage-Antwort-Spiel zu verbessern. Direkte Interaktionen mit Bots kommt der zwischenmenschlichen Interaktion näher als ein Online-Formular.

 

Virtual und Augmented Reality

Spätestens seit dem Erfolg von Pokémon GO ist die Massentauglichkeit von digital erweiterter Realität bewiesen. 2017 werden viele Unternehmen und Designer auf diesen Zug aufspringen. Es bleibt abzuwarten, ob die virtuelle Realität mehr Anwendungsbereiche wird finden können oder, ob der Hype im Stile von Pokémon GO abebbt.

Mehr Haptik

Tappen, Wischen und Zoomen sind Aktionen, die jeder Nutzer digitaler Geräte mittlerweile verinnerlicht hat. Sie alle finden digital jedoch meist ohne haptische Reaktion statt. Ein Ansatz für ein noch intensiveres Nutzererlebnis wäre, ein “echtes”, fühlbares Feedback auf jede dieser Aktionen zu entwickeln.

Gekommen, um zu bleiben

Einige Trends sind weniger konzeptioneller, sondern mehr gestalterischer Art. Sie haben sich in den vergangenen Jahren entwickelt und werden auch 2017 vermehrt eingesetzt und verfeinert werden.

Animationen

Animationen werden als Mikro-Interaktionen früh in die Konzeptionsphase einbezogen. Auch erklärende oder auflockernde Animationen werden mehr. Das liegt zum einen an der immer besseren Umsetzbarkeit durch CSS oder SVG. Zum anderen am Vorteil, dass bewegte Bilder gegenüber statischen mehr Informationen und Emotionen vermitteln können.

(Quelle: http://blog.invisionapp.com/7-tips-for-designing-awesome-gifs/)

Das Rechteck hat ausgedient

Technisch sind den geometrischen Formen im digitalen Design kaum noch Grenzen gesetzt. Während WhatsApp oder Instagram schon lange Ellipsen als Bild-Masken einsetzen, trifft man auch immer häufiger auf andere Formen: Dreiecke, Trapeze und mehr. Ob als Bild-Beschnitt oder als eigenständige Design-Elemente – mehr Abwechslung in der Formgebung ist zu erwarten.

Geometrische Formen als Bild-Beschnitt

Geometrische Formen als Bild-Beschnitt (Quelle: sequence.co.uk)

Expressive Headlines

Als fast logische Konsequenz der neuerlichen Inhalts-Fokussierung kann man die expressivere Gestaltung von Headlines sehen. Wenn der Inhalt (einer Headline) nicht überzeugt, warum dann den Aufwand betreiben, sie laut und kreativ darzustellen? Ist dies aber der Fall, so kann eine gut gestaltete Headline zu einem Aushängeschild des Inhalts werden. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Kreative Gestaltung von Headlines (Quelle: rehabstudio.com)

Kreative Gestaltung von Headlines (Quelle: rehabstudio.com)

Alltägliche Produktfotos

In der Darstellung von Produktfotos gibt es die Tendenz zu mehr “Natürlichkeit”. Durch Instagram und Co. ist die Darstellung von alltäglichen Situationen gelernt und natürlich. Der nächste logische Schritt für die Produktfotografie ist es, diesen Zeitgeist aufzunehmen. Abwechslungsreiche und spannende Szenerien werden dem klinisch weißen Fotostudio schon bald vorgezogen.

Produktfotos in alltäglichen Situationen (Quelle: de.paul-valentine.com)

Produktfotos in alltäglichen Situationen (Quelle: de.paul-valentine.com)

Fazit

Das digitale Design-Jahr 2017 wird vor allem ein Jahr der Evolution. Vorhandene Ansätze werden erweitert oder verbessert. Visuell war vieles schon einmal da. Neben Entwicklungen wie Virtual Reality oder lernfähigen Bots wird es vor allem die Umstrukturierung von Prozessen und Konzepten sein, die prägend sein wird. Zweifellos ist aber gerade das der besonders spannende Umbruch, den es zu gestalten gibt.